El Lobo viejo
Was einem besonders bei der deutschen Bloggerszene auffält, ist, dass sie zwar viel redet, aber nichts zu sagen hat. Da gibt es nicht das Alternativmedium analog zur us-amerikanischen Huffington Post. Nehmen wir das Gesicht des Web 2.0 (und von Vodafone), Sascha Lobo. Der Mann mit dem roten Iro ist zwar überall präsent, sagt aber im Grunde nichts. Seine Ergüsse drehen sich um das Medium Internet selbst. Das wäre wie eine Zeitung, die nur über Zeitung schreiben würde. Wie langweilig… Politische Meinungen sucht man – auch wenn Lobo im Online-Beirat der SPD sitzt – vergebens. Es sei denn, es dreht sich um das Thema Freiheit im Netz. Dann schreibt der alte Lobo fleißig zornige Beiträge, damit auch keiner auf die Idee kommt, wie Frau Ministerin von der Leyen den Zugang zu irgenwelchen (Schmuddel-) Seiten zu beschränken.
Mit seiner Werbekampagne für Vodafone hat Lobo den Prass einiger Leute in der Szene auf sich gezogen, die ihm jetzt Sell-out vorwerfen. Mich stört es hingegen gar nicht, dass er seinen Hahnenkamm für den Mobilfunkanbieter hinhält. Wenn die Fernsehgesichter Kerner und Pilawa für Wurst werben, ist uns das ja ebenso, na … genau! Dass die meisten Angehörigen der Generation Web 2.0 Upload nichts zu sagen haben, sondern sich vielmehr im Kreise um sich selber drehen, das sollte einen wirklich aufregen.
Bestes Beispiel für die selbstgefällige Art unserer neuen Internet-Helden ist das jüngste Interview von Studivz-Gründer Ehssan Dariani mit der SZ: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/484820
An dieser Stelle nur das beste Zitat des Sonnenkönigs unter den Startup-Unternehmern im Web.
Wer so viel auf dem Konto hat wie ich, kann keinen normalen Job mehr annehmen. Ich kann in keiner Firma anfangen, in der ich viel weniger verdiene als die Erträge meines Vermögens.
Zum Abschluss möchte ich aber lieber noch mal den alten Wolf zitieren. Wer die unbeschränkte Freiheit des Internets fordert hat es sicher auch mit dem Datenschutz nicht so, oder? Zumindest verdanken wir dem Netz diese Perle eines Satzes von unserem Freund Lobo, als er zwar noch keinen Iro, dafür aber eine ähnlich geile Frise hatte. Frage und Antwort stammen von seinem Spielerprofil beim Fußballclub Industriediamant FC (http://www.industriediamant-fc.de/idfc/das-team.html?spielerId=21):
Frage: Was begeistert Dich an einer Frau? Antwort: Wenn sie eine Fickerin ist
Dem ist nichts hinzuzufügen…
Oder doch? Update: Heute präsentieren uns die gesammelten Online-Koryphäen einen Gegenentwurf zur sogenannten Hamburger Erklärung (http://linkshrink.de/4845/). Mit von der Partie sind Menschen wie Lobo oder auch Stefan Niggemeier, der das “Internet-Manifest” auch auf seine Seite gestellt hat: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/internet-manifest/
Es finden sich sicher einige grundsätzliche Wahrheiten darin, die auch wir Zeitungsjournalisten anerkennen müssen, wie etwa
Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu
Unter Punkt vier erkennen wir auch unser Wölfchen wieder:
Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.
Ansonsten sind es eher Allgemeinplätze, die in das Manifest Einzug gehalten haben. Und ob sich, wie in Punkt 16 beschrieben, wirklich diejenigen durchsetzen, die “herausragend, glaubwürdig und besonders” sind, bleibt momentan noch abzuwarten.